Germanwings und Tuifly verhandeln – aber warum?

22. November 2007
1 Bewertungen Bewerten!!

In der am Freitag erscheinenden Ausgabe des Manager Magazins dazu:

Die Billigfluglinie Germanwings und der Hannoveraner Ferienflieger Tuifly verhandeln nach Informationen von manager magazin über eine Fusion. Ziel der geheimen Gespräche ist ein Zusammenschluss unter Führung von Germanwings und deren Haupteignerin, der Lufthansa.

Warum aber sollte die deutsche Lufthansa dies anstreben? An sich haben sie zwei Möglichkeiten, sie versuchen eine große deutsche Billigflugline aus dem Boden stampfen oder sie bauen einen Konkurrenten für Air Berlin auf. Beides macht für mich jedoch nicht so recht Sinn, aber hier dazu ein paar Fakten:

zur Billigfluglinie: Gegen Fluglinien wie Rynair und Easyjet kann man meiner Meinung nach nicht viel ausrichten mit einer fusionierten Gesellschaft, denn allein ein Blick auf die Vielfalt der Flugzeugmodelle innerhalb des neuen möglichen Verbundes zeigt, dass man nie die Effizienz der “wirklichen” Billigflieger erreichen kann. Diese haben nämlich immer nur genau ein Flugzeugmodell und das spart eine Menge Geld, sei es beim Boden-, Wartungs- oder Flugpersonal.

zur Air Berlin Konkurrenz: Warum sollte sich die deutsche Lufthansa einen eigenen/weiteren Konkurrenten schaffen, über den sie nicht die volle Kontrolle hat? Gegen die bisher klugen Schachzüge von Air Berlin sollte man wohl lieber anders reagieren und vor allem das Auslandswachstum weiter voran bringen. Warum nicht doch einmal in Richtung Iberia schielen? Mit der Schaffung einer neuen Nummer 3, macht man er sich eher selbst Konkurrenz, als Air Berlin das Leben schwer.

Mein Fazit: Wirklich sehr grob betriebswirtschaftlich betrachtet, macht vermutlich keine der beiden Möglichkeiten einen Sinn bzw. bringt der Lufthansa keinen echten Mehrwert, sondern eher mehr Kosten, was vermutlich auch Herr Mayrhuber weiß:

…Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte Mitte Oktober in Kairo auf die Frage, ob TUIfly unter dem Dach der Lufthansa einen Platz finden könne, mit einem klaren “Nein” geantwortet. Dies ließ jetzt Spekulationen aufkommen, Germanwings und TUIfly könnten auch in einer ganz anderen Konstruktion zusammenfinden. Die Gespräche stünden aber erst ganz am Anfang, hieß es. Ende Oktober hatte Mayrhuber gesagt, er habe kein Interesse an einem Zukauf für Germanwings. Stattdessen solle das Unternehmen aus eigener Kraft weiter wachsen…

pixelstats trackingpixel
Kategorien: Aktien, News, Strategie
 
 
 

9 Kommentare zu “Germanwings und Tuifly verhandeln – aber warum?”

  1. Ingolf
    25. November 2007 um 10:31

    Ich sehe das anders. Ich habe dazu einen Artikel geschrieben. Der Link darauf ist unter meinem Namen hinterlegt.

  2. Sue
    25. November 2007 um 15:48

    Also ich bin sehr gespannt, ob diese Fusion tatsächlich stattfinden wird und was für Auswirkungen dies auf die Fluggäste und damit Kunden hat.
    Hoffentlich werden noch weitere Zielstrecken anvisiert.

    Gruß
    Sue

  3. finanzweblog
    25. November 2007 um 17:10

    Naja, es ist ja nicht völlig anders und auch vom Billigfliegersegment nimmt der Artikel deutlich Abstand. Den Punkt mit den Chartertouristen finde ich aber sehr nachvollziehbar.

    Warum sollte sich Lufthansa aber eine neue Nummer 3 auf dem Markt schaffen?

  4. Ingolf
    25. November 2007 um 20:59

    @finanzweblog:
    Weil die Nummer 3 in Wahrheit keine Nummer 3 wäre. Germanwings fliegt auch heute schon Strecken, die die Großmutter Lufthansa ihr erlaubt zu fliegen. Dank Germanwings ist es Lufthansa bislang sehr gut gelungen, easyJet und Ryanair vom deutschen Markt fernzuhalten. Außer in Schönefeld, Dortmund und Bremen spielen die keine große Rolle. Natürlich gibt es noch Hahn oder Weeze und noch ein paar kleine Airports, aber das ist keine große Konkurrenz für Lufthansa. Hahn ist das extremste Beispiel für induzierten Verkehr, den es ohne die Billigflieger zum allergrößten Teil gar nicht gäbe.

    @Sue:
    Die Folge werden höhere Flugpreise sein. Auch Air Berlin entfernt sich immer mehr weg vom Billigsegment. Eine fusionierte TUIfly-Germanwings könnte sogar den Namen “Condor” wiederbeleben, weil die Markenrechte bei Lufthansa bleiben. Mehr Strecken wird es zunächst eher nicht geben, eher weniger. Vor allem würde ein fusioniertes Unternehmen die Flugpläne optimieren und Strecken aufeinander abstimmen. Wo es bislang Konkurrenz gab, gibt es künftig dann keine mehr. Dass es in Europa noch viele neue Strecken gibt, glaube ich nicht. Was sich wirtschaftlich trägt, ist längst abgegrast. Dank steigender Energiepreise werden Strecken, die bislang am Rande der Wirtschaftlichkeit waren, künftig eher wegfallen.

  5. finanzweblog
    25. November 2007 um 23:31

    @Ingolf
    Aber verschenkt die “Großmutter” durch diese Maßnahme nicht mehr, als sie versucht zu gewinnen? Warum integriert man Germanwings nicht gleich im Unternehmensverbund der Lufthansa, ich denke damit könnte man die Economies of Scale doch viel besser nutzen, oder?

  6. Andy
    26. November 2007 um 14:55

    Ich würde erstmal abwarten, worauf sich die Parteien einigen. Die Frage ist nämlich auch, was Tuifly(klar sind sie der kleinere Partner) für Pläne hat. Denn es geht ja nicht nur darum was Lufthansa möchte sondern auch ob, dass den Vorstellungn von Tuifly entspricht.
    @finzweb Integration schafft nicht nur EoS sondern auch größere Hindernisse in der gestiegenen Bürokratie und co. Da Germanwings auch ein ganz anderes Segment bedient, halte ich es für nicht sinnvoll.

  7. finanzweblog
    27. November 2007 um 00:20

    @Andy
    Aber warum in mehrere Bereiche doppelt investieren, also Bodencrew usw.? Ich glaube in dem Falle skalieren die Economies of Scale deutlich höher als ansteigende Bürokratie.

    Bin gespannt, was sie demnächst entscheiden werden, bei Iberia zeichnen sich ja auch Neuigkeiten ab.

  8. Ingolf
    9. Dezember 2007 um 12:12

    @finanzweblog:

    Bei einer Vollintegration müsste man Konstruktionen finden, die eine Übernahme der LH-Tarifverträge auf das Germanwings-Personal verhindern würde.

    Ich sehe weiter kartellrechtliche Probleme. Die LH würde auf einigen Strecken dann zum Monopolanbieter werden.

    Eine Vollintegration würde den TUI-Konzern die Abhängigkeit eines Dritten bringen. Das wird man kaum wollen.

    @alle:

    Klar ist aber, dass der Handlungsdruck vor allem auf Seiten von TUIfly besteht. Wie die momentan täglich Tickets für wenige Euro verscheuern, tut ja schon weh mitanzuschauen.

  9. finanzweblog
    10. Dezember 2007 um 23:19

    Kartellrechtlich ist ein sehr gewichtiges Argument, das hat man ja bereits bei AirLingus und Ryanair gesehen.

Kommentar abgeben:


  • Finanzblog – Archiv