Die Deutsche Bank im Wandel – Zwischen Ackermann und Jain – Teil 1

16. Juli 2011

Der Deutschen Bank steht ein Wandel ins Haus. Zum einen, so scheint es, konnte ein stetig wachsender Machtkampf zwischen Vorstandschef Ackermann und Aufsichtsratsboss Börsig, der zuletzt mehr oder minder offen ausgetragen wurde und drohte zur Belastung zu werden, rechtzeitig beendet werden. Zum anderen geht mit Ackermann nicht irgendwer. Vielmehr “verliert” die Deutsche Bank jemanden, der das Gesicht der Bank geworden war und eine Ära geprägt hat.

Seit 2002 ist Josef Ackermann das Gesicht der Deutschen Bank – und des Kapitalismus. Jetzt soll eine Doppelspitze ihm folgen. Und vielleicht werden ihm manche auch noch eine Träne nachweinen.

In der letzten Zeit scheint etwas passiert zu sein mit Josef Ackermann. Da saß der Deutsche-Bank- Chef neben Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sie sprachen über Griechenland, sie verkündeten eine Lösung. Die privaten Banken werden sich mit zwei Milliarden Euro an dem neuen Rettungspaket beteiligen, erklärte Schäuble, er wirkte erleichtert. Ackermann, neben ihm, hatte die Hände gefaltet, ganz Staatsmann. Selbstverständlich sei man sich der Verantwortung für die Euro-Zone bewusst, sagte er. Dann faltete er sie wieder, die Hände.

Es waren dieselben Finger, die vor sieben Jahren das Victory-Zeichen formten, das ihm noch lange nachhing und ihm viele Anfeindungen einbrachten. Als schnösselig, arogant und überheblich wurde er bezeichnet.

Und vielleicht wäre Ackermann auch nicht der geworden, der er jetzt – in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit – ist.

Josef Ackermann ist mehr als nur ein Manager. Für die Deutschen ist er gewissermaßen der Mensch gewordene Kapitalismus. An seinem Gehalt, zuletzt rund 9 Millionen Euro und nicht einmal Top-Verdiener unter den Dax-Vorständen, entzündet sich immer wieder die Wut über die Ungerechtigkeit der Welt. Auf seine Person projizieren die Menschen ihre Angst vor Globalisierung, Wettbewerb und einer zahlendominierten Gesellschaft, in der nichts mehr zählt als Leistung, in der das Gewissen dem Gewinn stets unterlegen ist.

In der Ära Ackermann hat sich eine Art Reflex herausgebildet, der “Ackermann- Reflex”. Dahinter steckt nicht nur das Bedürfnis, einen Schuldigen für all die Krisen benennen zu wollen, sondern auch der Wunsch, den Kapitalismus zu zähmen. Die Politik bedient diesen Reflex nur allzu gerne, nicht nur die Linke. Auf die „Ackermänner dieser Welt“ wird oft geschimpft und so getan, als lasse man sich nicht länger von den Experten des Geldes auf der Nase herumtanzen.

Jetzt steht Josef Ackermanns Abgang bevor. Das zeigt sich daran, dass es eine Nachfolge für ihn zu geben scheint. Noch hat der Aufsichtsrat nicht entschieden, doch aus vielen Quellen verlautete bereits, dass der Vorstandsvorsitzende den Machtkampf mit Aufsichtsratschef Clemens Börsig verloren hat. An seine Stelle wird Anshu Jain treten, der Inder, der Investmentbanker aus London. Zwar nicht allein, vorerst soll ihm Deutschland-Chef Jürgen Fitschen zur Seite stehen. Fitschen aber ist schon 62, nur ein Jahr jünger als Ackermann selbst. Vieles deutet darauf hin, dass nach einer Übergangszeit mit Doppelspitze Jain allein an der Spitze des Vorstandes stehen wird.

Die Doppelspitze war Börsigs Wunsch, der von Ackermann war es ausdrücklich nicht.Dennoch hat er es die letzten Jahre offenbar verabsäumt einen eigenen Kronprinzen aufzubauen und in Stellung zu bringen.

Ackermann selbst würde wohl gern vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt, um dort weiter den Staatsmann zu geben. Wie man hört, wäre das wohl auch dem einen oder anderen Regierungsmitglied lieber gewesen. Mitten in der Euro-Krise, wo die Märkte ständig verrückt spielen, wünscht man sich nichts sehnlicher als Kontinuität. Da steht ihm jedoch eine Art “Moral-Kodex” im Weg, der es Vorstandsmitgliedern nicht ermöglicht, direkt in den Aufsichtsrat zu wechseln.

Lesen Sie morgen Teil 2 – Deutsche Bank im Wandel von Ackermann zu Jain

 

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