Standard & Poor´s – War der Druck zu groß?

24. August 2011

Seinerzeit, als die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite in Fahrt kam, wurden sie kritisiert, dass sie ganz offensichtlich ihre Aufgabe verfehlt und die Gefahren nicht haben kommen sehen – Ratingagenturen. Von Gefälligkeitsgutachten war damals sogar die Rede. Jetzt stehen sie wieder in der Kritik. Der Wind weht allerdings aus der anderen Richtung. Jetzt wird ihnen vorgeworfen, mit viel zu kritischen Urteilen die Bonität ganzer Länder fehlerhaft (weil zu kritisch) zu bewerten und damit erneut die Finanzkrise befeuert zu haben.

Die Herabstufung der sogenannten PIGG-Staaten in Europa hat man sich – wenn auch zähneknirschend – noch gefallen lassen. Aber spätestens seit sich Standard & Poor´s an die USA herangetraut hat und deren Bonität von Tripple A auf AA+ herabgesetzt hat, ist der Druck groß geworden. Nun nimmt Standard & Poor´s-Chef, Deven Sharma, seinen Hut. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Haben die USA ihre Muskeln spielen lassen?

Den Unternehmen, neben Standard & Poor´s noch Moody´s und Fitch, wird vorgeworfen, Bestnoten für Wertpapiere vergeben zu haben, in denen hochriskante Immobilienkredite gebündelt waren. Vor wenigen Wochen wurde Standard & Poor’s auch für seine Herabstufung der Top-Bonität der USA kritisiert. Die Entscheidung war mitverantwortlich für den Kurssturz an den Börsen weltweit.

Eine ganz offizielle Erklärung gibt es nicht: Es hieß, Deven Sharma sei „bereit zu neuen Herausforderungen“ gewesen. Medienberichten zufolge könnten jedoch Konflikte mit zwei neuen Großaktionären von McGraw-Hill dabei eine Rolle gespielt haben.

Der Chef der in der Kritik stehenden Ratingagentur Standard & Poor’s, Deven Sharma, tritt nun also zum Ende des Jahres ab. Der 55 Jahre alte Manager wird Mitte September von Douglas Peterson (53) abgelöst und scheidet zum Jahresende aus dem Unternehmen aus, teilte der Mutterkonzern McGraw-Hill am Montagabend in New York mit.

 

Irgendwie hat die Meldung einen Beigeschmack. In einem ersten Reflex denkt man sofort, dass sich Standard & Poor´s mit den USA den “falschen Gegner” ausgesucht haben. Eine mutige, unpopuläre aber auch konsequente Entscheidung kostet jetzt den Job – so vermutet man. Und so ganz unwahrscheinlich scheint es auch nicht zu sein.

Der Wechsel an der Unternehmensspitze habe jedoch schon vor der umstrittenen US-Herabstufung am 5. August festgestanden, berichtete das „Wall Street Journal“ online unter Berufung auf Kreise.

Der Medienkonzern McGraw-Hill hat verschiedene Sparten und verlegt unter anderem Schulbücher. Die profitable Ratingagentur gilt als Perle des Konglomerats. Zwei neue Großaktionäre, ein kanadischer Pensionsfonds für Lehrer und der Hedge-Fonds Jana Partners, hatten die Struktur des Unternehmens kritisiert und das Management zu Änderungen aufgefordert. Am Montag sprachen sich die Investoren, die zusammen 5,2 Prozent der Anteile halten, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg konkret für eine Aufspaltung in vier Teile aus.

Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern könnten einzelne Geschäftsbereiche wie Standard & Poor’s nach einer Aufspaltung zusammengerechnet mehr wert sein als der börsennotierte Mischkonzern heute. McGraw-Hill hatte auf die Kritik bereits reagiert und unter anderem Verkäufe von Sparten in die Wege geleitet. Auch denke man darüber nach, was eigentlich der „strategische Kern“ des Unternehmens sei, hatte es in einer Mitteilung vom Anfang des Monats geheißen.

Der künftige Chef – offiziell „Präsident“ – Peterson hatte bisher eine führende Position bei der US-Bank Citibank inne. Sharma hatte den Spitzenposten bei Standard & Poor’s im August 2007 übernommen und war zuvor im Mutterkonzern tätig gewesen.

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Kategorien: Allgemein, Anlage, Finanzblog
 
 
 

Ein Kommentar zu “Standard & Poor´s – War der Druck zu groß?”

  1. Finanznachrichten.info
    20. September 2011 um 11:59

    Griechenland mit Volksentscheid über den Euro + Italien mit negativem Ausblick…

    Italien wird herabgestuft mit negativem Ausblick und in Griechenland wird nun laut darüber nachgedacht, einen Volksentscheid über den Verbleib in der Währungsunion durch zu führen. Die Euro Zone ist verunsichert und niemand weiß, was die Zukunft bringe…

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