Punktsieg für Apple im Wettbewerb gegen Samsung – iPad vs. Galaxy-Tab
12. September 2011Schon seit einiger Zeit liefern sie sich einen Kampf um Absatzmärkte, Lizenzen, Patente und um Kunden. Auf der einen Seite der als hipp geltende amerikanische Großkonzern Apple, der durch seine Kreativabteilung um Steve Jobs in regelmäßigen Abständen mit Produktneuerungen wie iPod, iPhone oder iPad auf den Markt kommt und die Nutzer verzückt. Auf der anderen Seite steht der koreanische Großkonzern Samsung. Auch hier werden in regelmäßigen Abständen Produktneuerungen auf den Markt gebracht. Auch das freut die Nutzer, denn in der Regel sind die Produkte aus Korea qualitativ nicht schlechter und dazu noch deutlich preiswerter. Kleiner Beigeschmack: die vermeintlich neuen Produkte kommen fast immer kurz nach den Apple-Produkten heraus und sehen denen dann auch immer irgendwie ziemlich ähnlich. Das freut zwar die Nutzer aber nicht Apple. “Die Geräte seien nur billige Kopien”, so der regelmäßige Vorwurf aus dem Hause Apple. 
Am Beispiels des Tablet-PC wurde jetzt mal wieder ein Exempel statuiert. Apple erwirkte vor dem deutschen Landgericht Düsseldof eine Verfügung, die es Samsung verbietet, deren Version des Tablet-Computers in Deutschland in den Handel zu bringen. Das Düsseldorfer Landgericht folgte der Argumentation von Apple und untersagte Samsung den Verkauf in Deutschland.
Die beiden Konzerne überziehen sich schon seit einiger Zeit gegenseitig mit Klagen und einstweiligen Verfügungen. Erlaubt ist hierbei alles, was den jeweiligen Konkurenten Ärger bereitet und Geld kostet. Jetzt hat Apple einen wichtigen Punktsieg gelandet. Das Landgericht Düsseldorf bestätigte am Freitag seine einstweilige Verfügung gegen den Konkurrenten Samsung. Die Koreaner dürfen ihr Galaxy Tab 10.1 in Deutschland weder einführen noch ausführen oder verkaufen. Das trifft Samsung schmerzlich, weil das wichtige Weihnachtsquartal bevorsteht. Apple hatte geklagt, weil der Samsung Galaxy Tab 10.1 dem beliebten iPad zum Verwechseln ähnlich sieht. Bei dem Streit ging es also nicht einmal um Patente, sondern lediglich um ein europaweit geschütztes Geschmacksmuster.
Apple hatte sich im Jahr 2004 Design- Elemente eines Tablet-Computers für Europa bei der zuständigen Behörde im spanischen Alicante schützen lassen.
Das Gericht musste nun prüfen, ob das Galaxy Tab den hinterlegten Abbildungen des Geschmacksmusters zu ähnlich sieht – und kam zu der Überzeugung: Ja, das tut es. Die Vorsitzende Richterin Johanna Brückner-Hofmann begründete die Entscheidung mit einem „übereinstimmenden Gesamteindruck“ zwischen den Apple- und den Samsung-Produkten. Als Beispiel nannte die Richterin eine „minimalistisch moderne Gestaltung“ mit glatten Flächen, abgerundeten Ecken und schmalem Gehäuserand. Produkte von weiteren Wettbewerbern wie Asus oder Toshiba zeigten dabei ganz klar, dass es auch andere Gestaltungsmöglichkeiten gebe. Allerdings: Ein Gericht in den Niederlanden hat den gleichen Streit kürzlich genau anders entschieden.
Apple streitet über das Design nicht nur mit Samsung, sondern hat auch ein Verfahren gegen Motorola und die Firma Jay-tech aus Mönchengladbach laufen. Der Streit zwischen Apple und Samsung wiederum, bei dem es auch um Patente geht, zieht sich inzwischen über den ganzen Globus: Es sind derzeit 19 Verfahren vor zwölf Gerichten in neun Ländern auf vier Kontinenten anhängig, haben Patentrechtsexperten ermittelt.
Was steckt dahinter? Warum streiten sich die Konzerne so erbittert? Schließlich schadet man nicht dem Wettbewerber, sondern bindet auch eigenen Hause Ressourcen und investiert Zeit und Geld. Einfache Antwort: Es wird deshalb so erbittert gestritten, weil der Markt boomt: Forscher haben ermittellt, dass in diesem Jahr weltweit 63 bis 64 Millionen Tablet-Computer verkauft werden – eine neue Geräteklasse, die es praktisch vor dem Erscheinen des ersten iPads im vergangenen Jahr nicht gab. 46 Millionen Geräte, so erwartet die Branche, werde Apple verkaufen. Firmen, die Googles Betriebssystem Android nutzen, werden auf zehn Millionen Geräte.
Trotz weiterer Wettbewerber wie Toshiba, Motorola oder auch Lenovo hat sich Samsung als wichtigster Wettbewerber von Apple im Markt etabliert. Daher ist die Gerichtsentscheidung aus Düsseldorf ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Deutschland ist ein großer Markt für Samsung und Weihnachten steht vor der Tür. Glück im Unglück für Samsung: Das Verkaufsverbot ist bislang nur auf Deutschland beschränkt, so dass die Auswirkungen auf die globale Gesamtentwicklung überschaubar bleibt. Möglich ist aber, dass Apple – befeuert von dem Triumph in Deutschland – in weiteren Ländern ähnliche Klage anstrebt.
Allerdings kann man Samsung auch zutrauen, innerhalb kürzester Zeit eine modifizierte Version eines Tablet-PC auf den Markt zu bringen, an der Gerichte keinen Anstoß nehmen können. Samsung ist in der Lage, sehr schnell mit einem neuen Produkt am Markt zu sein. Immerhin muss ja “nur” (anders als bei Patentrechtsproblemen) an der äußeren Hülle etwas geändert werden. Bis es jedoch soweit ist, spürt Samsung die Entscheidung aus Düsseldorf in aller Konsequenz. Auf der Ifa in Berlin musste Samsung auch sein Galaxy Tab 7.7 aus der Ausstellung nehmen. Unklar ist jedoch, ob dies wegen desselben oder eines weiteren Verfahrens geschah.
Was sagt Samsung zu dem Ganzen? Man sei enttäuscht, teilte das Unternehmen mit, und werde alle juristischen Mittel ausschöpfen. Rechtsexperten gehen davon aus, dass Samsung auf Zeit spielen und daher versuchen wird gegen die einstweilige Verfügung vor der Rechtsmittelinstanz vorzugehen. Selbst auf die Gefahr hin, dass auch dieses Verfahren mit einer Niederlage endet, dürfte aber das Galaxy Tab 10.1 so lange verkauft werden, bis in der Hauptsache entschieden ist. Das kann schon einmal bis zu einem dauern. Dass ist zugleich ein Zentfenster, dass Samsung hilft, neue (modifizierte) Produkte zu entwickeln.
Noch ein kleiner Praxistip: Das Verkaufsverbot gilt nur Samsung. Andere Firmen sind nicht an das Verkaufsverbot gebunden. Händler können die Geräte anderswo in Europa erwerben und sie dann legal in Deutschland verkaufen.
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