Herbstgutachten – Bremsung aus vollem Lauf

13. Oktober 2011

Jedes Jahr aufs Neue sehen Finanz- und Wirtschaftsexperten, Anleger, Investoren und Händler dem Herbstgutachten der Wirtschaftsforscher der vier wichtigsten Wirtschaftsinstitute entgegen. Gibt es doch handfeste Prognosen und Aussichten, wie sich die deutsche Wirtschaft entwickeln wird. Und jetzt das: Das Herbstgutachten 2011 sagt einen Absturz des Wirtschaftswachstums voraus. 

Irgendwie gleicht es einer Bremsung aus vollem Lauf. Die Wirtschaftsforscher sagen für das deutsche Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten einen Einbruch voraussagen. Von 2,9 Prozent – so das Gutachten – wird das Wachstum im kommenden Jahr auf 0,8 Prozent sinken.

Im vierten Quartal 2011 wird die Wirtschaftsleistung nach Berechnungen der Institute schrumpfen. Angst und Verunsicherung über Schulden-, Banken-, Finanz-, und Staatskrise dominieren die Prognose.

Im ersten Quartal 2012 solle es dann wieder leicht aufwärts gehen. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft.

Der Ausblick auf ein schwaches Jahresende bereitet indes dem Einzelhandel schon jetzt Sorgen. Zwei Drittel der Händler gehen davon aus, dass die eingetrübten Konjunkturaussichten und die Turbulenzen an den Aktienmärkten die Konsumlust der Verbraucher dämpfen werden. Viele hoffen, dass sich die Schuldenkrise nicht noch weiter zuspitzt und das Weihnachtsgeschäft vermiest.

Auch in der US-Industrie sorgen die Folgen der Euro-Schuldenkrise allmählich für düstere Geschäftsaussichten. Zum Auftakt der amerikanischen Bilanzsaison gab Alcoa, der größte Aluminiumkonzern des Landes, einen Vorgeschmack. Alcoa- Chef Klaus Kleinfeld warnte vor einer wachsenden Unsicherheit der Kunden, die zu Zurückhaltung bei der Auftragsvergabe führe. Im dritten Quartal konnte der Konzern zwar den Gewinn auf 172 (Vorjahreszeitraum: 61) Millionen Dollar steigern und den Umsatz um 21 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. Die Vorquartale waren aber noch stärker gewesen. „Es sieht fast so aus, als ob sich die Welt selbst in eine weitere Rezession hinein sorgt“, sagte der ehemalige Siemens-Chef Kleinfeld. “Der Hauptgrund für das schwache Quartal sind diese Ängste, nicht ein schrumpfendes Geschäft.“ Das Vertrauen in die Wirtschaftserholung lasse nach.

Am Aktienmarkt spielten die globalen Wirtschaftsaussichten am Mittwoch kaum eine Rolle. Der Dax sprang sogar zeitweise über die Marke von 6000 Punkten. Anleger hoffen, dass die Euro-Schuldenkrise nicht eskaliert. Grund zum Optimismus liefern außerdem die nach wie vor guten Aussichten einiger deutscher Schlüsselbranchen. So will sich die Stahlindustrie mit den Branchengrößen Thyssen-Krupp und Salzgitter von den Konjunktursorgen nicht die Stimmung verderben lassen. Der Weltstahlverband hob in Paris sogar die Prognosen für dieses und das kommende Jahr an.

Hoffen wir das Beste.

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Kategorien: Allgemein, Finanzblog
 
 
 

Ein Kommentar zu “Herbstgutachten – Bremsung aus vollem Lauf”

  1. Michael Ernst
    16. Dezember 2011 um 18:33

    Warten wir’s ab. Prognosen stimmen nicht immer. Ich bin guter Dinge, denn die deutsche Wirtschaft hat bisher sowohl die Krise von 2008 als auch die aktuelle mehr als gut bewältigt.

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