Gold – Garantie für Sicherheit?

Es ist ein Phänomen. Gold übt immer dann eine faszinierende Anziehung auf Anleger und Investoren aus, je unsicherer die restlichen Anlagemöglichkeiten scheinen. Das hat einen einfachen Grund: Gold wirkt auf den ersten Blick sicher und vertrauenserweckend. Doch aufgepasst, denn bei vielen Anlageprodukten ist der Begriff Gold nur Fassade – sie sind riskant und gar nicht preiswert.

Es ist eine sich immer wiederholende Geschichte. Eine Geschichte von Schuldenkrise und Zukunftsängsten, von einem Massenphänomen und einem Mythos. Wo immer derzeit an den Finanzmärkten über die Entwicklung der kommenden Jahre diskutiert wird, stets fällt der Name eines Investments, das vielen Anlegern als Inbegriff für Sicherheit und Werterhalt gilt: Gold. Erst vor wenigen Tagen hat Gold ein Allzeithoch erklommen.

Die Branche der Produktentwickler in den Banken und Fondshäusern hat diesen Trend längst erkannt und wie immer wollen sie daran verdienen. Zuhauf kommen täglich neue Produkte mit dem Edelmetall im Namen an den Markt.

Wer als Anleger nicht das nötige Geld oder den sicheren Aufenthaltsort für Goldbarren- oder münzen hat, kann sich über Wertpapiere an ihnen beteiligen und so indirekt am steigenden Preis partizipieren.

Für den Krisenfall geeignet – genau dieser Gedanke spielt bei Gold-Investments stets die dominante Rolle – sind indes nur wenige dieser Vehikel.

Zwei Produkttypen gilt es zu unterscheiden:

Zum einen börsengehandelte Goldfonds, sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC). Was viele Anleger nicht wissen: Es handelt sich um Schuldverschreibungen eines Emittenten – aus rechtlicher Sicht also um Zertifikate. Mit der simplen aber auch erschreckenden Konsequenz: Geht der Emittent pleite, ist das Investment ähnlich wie einst bei Lehman-Zertifikaten verloren. Also so ganz und gar nicht sicher. Der eigentliche Sicherheitsgedanke bei der Goldanlage wäre konterkariert.

Um also alle Bedenken bereits im Keim zu ersticken, bedienen sich Emissionshäuser einer offensichtlich sicheren Variante:

Sie kaufen physisches Gold, um damit den ETC zu unterlegen. Weil in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr Geld in diese Fonds geflossen ist, haben sie allein im zweiten Quartal 45 Tonnen Gold erworben. Weltweit lagern bei den acht größten Anbietern jetzt 2200 Tonnen Gold. In Anbetracht der weltweiten Reserven, die zum Jahreswechsel bei über 30 000 Tonnen lagen, ist das eine erhebliche Menge. Das treibt unweigerlich den Goldpreis, zuletzt auf Rekordwerte von über 1600 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die meisten Bestände lagern in London.

Das alles wirkt auf den ersten Blick sicher und vertrauenserweckend. An das hinterlegte Gold kommen Anleger aber bei den Produkten großer Anbieter wie der Deutschen Bank und der Royal Bank of Scotland nicht. Und bei den Produkten, wo die Auslieferung theoretisch möglich wäre, wie bei Xetra Gold der Deutschen Börse oder dem Gold Bullion Securities von ETF Securities, ist dies zumindest in der Praxis problematisch.

Bei Xetra Gold beispielsweise zahlt der Anleger die Lieferkosten. Und die sind hoch. Da sei es sinnvoller, das Produkt zu verkaufen und mit dem Geld Goldmünzen zu erwerben. Beim Gold Bullion Securities ist eine Auslieferung gar nur mit bürokratischem Aufwand verbunden. Das Gold kann nur zu einem Händler gehen, der am Londoner Goldmarkt zugelassen ist. Das Gold läge dann selbst bei Auslieferung weiter in London, nur eben in einem anderen Tresor.

Hinzu kommt ein weiteres Problem aus der Praxis: Es ist zwar Gold hinterlegt, meist aber nicht in der Stückelung die der Anleger wünscht bzw. investiert hat. In der Regel wird das Edelmetall für ETCs in Form von Standardbarren gekauft, die 12,5 Kilo beziehungsweise 400 Unzen wiegen. Die Anleger – so zeigt die Praxis – wollen aber oft Kilo-Barren. Das Material muss also umgeschmolzen werden. Richtig, das kostet dann wieder, denn die Formung von Barren, der Transport und die Versicherung kosten zusätzlich Geld, das der Anleger zahlen muss.

Wer seinen Gold-Anteil da lieber beim Emittenten belässt, der macht eine andere schmerzliche Erfahrung. Allein die Gebühren für Lagerung und Versicherung betragen zum Beispiel bei Xetra Gold 0,357 Prozent pro Jahr.

Wer es günstiger haben will, greift deshalb zu Gold-Zertifikaten. Die verursachen in der Regel weder Lagerkosten noch fallen dafür Managementgebühren an. Doch sie haben jenen Makel, der den ursprünglichen Sicherheitsgedanken von Gold geradezu konterkariert: Geht der Emittent pleite, werden auch die Papiere wertlos. Dennoch: Der Absatz solcher Papiere ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Gold-Zertifikate im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro lagern die Deutschen inzwischen in ihren Depots. Unter Sicherheitsaspekten eine durchaus riskante Entscheidung.