Relativitätstheorie der Finanzmärkte oder auch self-fulfilling prophecy
25. Januar 2008Die zurückliegende Woche war eine sehr interessante und für viele sicher auch lehrreiche zugleich, aber was genau ist denn alles passiert bzw. warum überhaupt?
Am Montag den 21. Januar donnerten die Aktienkurse an den Weltbörsen, dass es nur so knallte, egal ob Nikkei, DAX oder Euro Stoxx (in den USA war zum Glück Feiertag) alle haben massiv verloren, nur keiner wusste so recht warum. War es wirklich nur die anhaltende Rezessionsangst hinsichtlich der USA, was ich inzwischen unter “self-fulfilling prophecy” (sich selbsterfüllende Prophezeiung) verbuche, bei dem Wirbel der darum gemacht wirdin den Medien. Man muss nur lange daran glauben, dann wird es auch eintreffen, da niemand mehr Geld freigibt und wir alle schön in Richtung Rentenpapiere wandern. Wird soetwas eigentlich bewusst gemacht oder liegt dies einfach in der menschlichen Psyche verankert?
Donnerstag den 24. Januar kam nun heraus, dass ein gewisser Jérôme Kerviels die Société Générale (immerhin zweitgrößte Bank Frankreichs) 4,9 Milliarden gekostet haben soll, da Spekulationen seinerseits nicht aufgingen, zu denen er scheinbar gar nicht berechtigt war. Schön zu sehen dabei folgendes Zitat:
Seit Donnerstag kennt die gesamte Finanzwelt den Namen des Franzosen. Doch noch versteht niemand, wie es zu dem Rekordverlust kommen konnte, der die Bank zu einer Notkapitalerhöhung zwingt.
Dies scheint derzeit allgemein ein Problem innerhalb der Finanzbranche zu sein, dass die Produkte die dort teilweise entstehen und genutzt werden nur noch von einer Hand voll Menschen auf diesem Planeten verstanden und trotzdem millionenfach gehandelt werden. “signifikant abnormal” in der Technology trifft das schon ganz gut.
Wenn sie schon alle von Transparenz und Risikomanagement sprechen, dann sollte man es auch entsprechend gestalten, so dass z.B. Finanzinnovation/Finanzprodukte so beschrieben werden müssten, damit ein externer Dritter sie auch nachvollziehen kann und nicht nur mein Schulfreund aus der Risikoabteilung, mit dem ich einmal die Woche Tennis spielen gehe.
Tja, und wer fragt sich da nicht, ob das Auflösen der Risikoposten der Société Générale von Montag bis Mittwoch nicht das Zünglein an der Waage des Montagsvorbeben war und nun doch die “gewünschte” Rezession “auslöst”?
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25. Januar 2008 um 23:08
Ich denke schon, dass Société Générale ihren Teil dazu beigetragen hat! Auf der anderen Seite war das eigentlich eine typische Abwärtsspirale, verursacht von Stop-Loss Ordern der Privatanleger und diversen Sicherungssystemen zum Risikomanagement der Banken (bei anderen scheinen diese zu funktionieren). Nicht zu vergessen natürlich der psychologische Effekt in der sowieso schon angespannten Börsensituation.
27. Januar 2008 um 12:40
Mehr werden wir erfahren, wenn die Unternehmen der Finanzbranche ihre Bilanzen für 2007 vorlegen. So habe ich mir beispielswiese einmal die Bewertungen einiger US-Aktien angesehen. Auf Basis der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2006 notieren S&P 500 Unternehmen wie beispielsweise MBIA Inc., Washington Mutual, CIT Group oder National City Corp. derzeit deutlich unter Buchwert und zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen <5.
27. Januar 2008 um 20:14
Self-fulfilling prophecy trifft es in diesem Fall wohl sehr genau. Andererseits gibt es in der Branche noch mehr Bereiche, die man wohl hierunter einordnen muss. Fuer mich gehoert dazu beispielsweise auch Chartanalyse auf Indizes. Das System traegt sich von alleine, weil nur genug Leute dran glauben.
2. Februar 2008 um 09:11
Societe General bühnenreif!
Eine der skurilsten Geschichten der Finanzbranche geht ja heute schon den ganzen Tag durch die Presse. Die Société Général soll 4,9 Milliarden Euro durch betrügerische Manipulationen eines 31-jährigen Aktienhändlers namens Jérôme Kerviel verloren haben. Weiter erfährt man das er im 19/64-Delta-One-Team arbeite.Was zur Hölle ist das 19/64-Delta-One-Team??? Wie auch immer ich vermute, und da stehe ich wohl nicht alleine da, das es sich hierbei um eine riesen Presseente handeln könnte, und man seitens der französischen Bank auf ungeschickte Weise die Öffentlichkeit glauben machen will das es so war. Wäre es auch vielleicht möglich das dieseVerluste ebenso aus der Kreditkrise entstanden sind, das man sich im großen Maße verspekuliert hat?
Es ist wirklich sehr unwahrscheinlich das ein einziger Händler in einem Unternehmen wie der französischen Bank “geheime Geschäfte” in dieser Größenordnung tätigen kann ohne daß dies irgend jemandem auffallen würde. Vielmehr erinnert das ganze an ein Bauernopfer.
Weiter heisst es in den Meldungen: Nicht nur Handelsverluste belasten die die zweitgrößte börsennotierte Bank Frankreichs: Wie Société Générale am Donnerstag mitteilte, muss sie zusätzlich Abschreibungen von 2,05 Mrd. Euro im vierten Quartal vornehmen, die auf die Immobilienkrise zurückzuführen seien. Über eine Kapitalerhöhung wolle die Bank 5 5 Mrd. Euro einnehmen, um die Kapitaldecke zu stärken.
Die dürfte zumindest jetzt recht dünn sein – die Kapitaldecke, und man sollte dort in Zukunft vielleicht etwas wählerischer sein mit wem man unter dieser Decke das Bett teilt.
3. Februar 2008 um 20:02
naja das ist schon sehr krass was da passiert ist. ich gehe aber davon aus das dies nur die spitze des eisberges ist. es ist jetzt mal für die zukunft abzuwarten was noch alles aufgedeckt wird. dies wird sicherlich auch für den deutschen Börsenindex zeigen wo es hingenen wird.
5. Februar 2008 um 19:07
[...] in allem also durchaus eine interessante Anlagevariante, gerade in kritischen Zeiten auf den Finanzmärkten oder auch für konservative Anleger bzw. für ein breit diversifiziertes privates [...]
25. März 2008 um 16:22
>>ich gehe aber davon aus das dies nur die spitze des eisberges ist.
Ich glaub eher die Bodenbildung ist bereits sichtbar, wer jetzt einsteigt kann noch gute gewinne mitnehmen
6. April 2008 um 20:50
Habe mich auch dran beteiligt. Kann ja nur ncoh bergauf gehen.
9. Juni 2008 um 17:03
[...] diesem Zusammenhang spricht der finanzweblog.de von einer „Relativitätstheorie der Finanzmärkte oder auch self-fulfilling prophecy“. Fatale Aussichten, welche nicht nur Auswirkungen innerhalb der USA haben [...]