Krankenkassenpleiten: Wie sieht die Zukunft aus und ist die Bürgerversicherung eine Lösung?

13. Februar 2012

Zum 1. Juli dieses Jahres wurde die erste gesetzliche Krankenkasse aufgrund von Insolvenz geschlossen. Der Pleite der City BKK folgte viel negatives Medienecho. Denn viele gerade ältere und chronisch kranke Versicherte wurden von anderen Krankenkassen abgewimmelt. Dieses Verhalten wurde schnell gerügt – schließlich sind die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet Versicherte aufzunehmen, auch dann wenn bei ihnen mit höheren Gesundheitskosten zu rechnen ist.
Ein solches Durcheinander blieb nach der Pleite der BKK für Heilberufe zum Glück aus. Allerdings fragen sich nach der zweiten Pleite nun viele Versicherte wie sicher die gesetzliche Krankenversicherung noch ist und ob es Alternativen gibt. Auch bei den Privatversicherten herrscht dieser Tage oftmals Unmut. Denn viele Krankenversicherer haben ihre Beiträge zum Jahr 2012 massiv erhöht.
Wie aber kam es zu diesen Krisen?
Die Einführung des Zusatzbeitrags bei den gesetzlichen Krankenkassen sollte vor allem dazu dienen, dass finanzschwache Kassen durch das zusätzliche Einkommen ihre Probleme ausgleichen könnten. Diese führte jedoch zu einem Mitgliederschwund, vor allem bei Kassen, die ohnehin mehr ältere Versicherte haben. Gerade junge Berufstätige wanderten in andere Kassen ab, wodurch die Mitgliederstruktur weiter veraltet. Die Folge sind höhere Kosten bei sinkenden Einnahmen. Daher kamen unlängst Forderungen auf, die Wettbewerbsfähigkeit der Kassen wieder zu stärken, indem beispielsweise der einheitliche Krankenkassenbeitrag wieder flexibler gestaltet werden könnte.
Die massiven Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung resultierten aus einer Fehlkalkulation. So hatten einige Versicherer Neukunden mit sogenannten Einsteigertarifen gelockt, allerdings in der Hoffnung, dass diese Neukunden bald in einen höherwertigen Tarif wechseln würden. Dies ist jedoch nicht geschehen, so dass den Versicherungsgesellschaften erhebliche Mehrkosten entstanden sind. Diese wiederum wurden auf die Versicherten umgelegt.

 

Alternativen zum heutigen System
Besonders im Rahmen dieser Problematiken ist immer wieder die Rede von der Bürgerversicherung oder der Gesundheitsprämie. Beide Modelle sehen eine grundlegende Reform des bestehenden Gesundheitssystems vor. Denn langfristig stehen sowohl gesetzliche als auch private Krankenversicherung vor Problemen durch Faktoren wie dem demografischen Wandel und steigenden Kosten im Gesundheitssystem durch medizinischen Fortschritt. Auch wenn es beispielsweise in der privaten Krankenversicherung Ansätze gibt, dem demografischen Wandel zu begegnen – hier gilt nicht das Solidaritätsprinzip, sondern jeder Versicherte sorgt mit den Altersrückstellungen selbst für die steigenden Kosten im Alter vor – so bieten Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie doch interessante Ansatzpunkte.

 

Bürgerversicherung
Die Bürgerversicherung sieht vor, dass alle Bürger einen bestimmten Prozentsatz ihres gesamten Einkommens in die Bürgerversicherung einzahlen. Dabei zählen nicht nur das Arbeitseinkommen, sondern überdies Kapitalerträge, Mieteinnahmen, usw. Es handelt sich dabei um ein ähnlich solidarisches Versicherungsprinzip, wie die jetzige gesetzliche Krankenversicherung, mit dem Unterschied, dass es auch jetzt nicht versicherungspflichtige Bürger mit einschließt. Dafür soll es je nach Vorschlag ebenfalls eine Beitragsbemessungsgrenze geben, also eine Grenze bis zu welcher das Einkommen für die Berechnung der Krankenversicherungsbeiträge herangezogen werden darf. Wie hoch diese allerdings ausfallen soll, ist noch nicht geklärt. Kritiker bemängeln, dass eine Ausweitung des Personenkreises der Versicherten zwar zu einer kurzfristigen Stärkung der gesetzlichen Krankenversicherung führen würde, mittel- und langfristig aber noch immer nicht die Überalterung der Bevölkerung und die steigenden Kosten durch den medizinischen Fortschritt berücksichtigt werden. Auch Ärzte sprechen sich teilweise gegen dieses Konzept aus (http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48336/Kammer_Westfalen-Lippe_gegen_Buergerversicherung.htm).

 

Gesundheitsprämie

Alternativ sieht das Modell der Kopfpauschale eine für alle Versicherten gleich hohe Prämie vor. Dieser einkommensunabhängige Betrag soll mit einem steuerfinanzierten Sozialausgleich für Geringverdiener einhergehen, da die Versicherung sonst für einen Teil der Bevölkerung nicht tragbar wäre. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Einführung des Zusatzbeitrags bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Dieser kann auch unabhängig von dem Einkommen des Versicherten erhoben werden, belastet Geringverdiener daher mehr. Die Ausgleichszahlungen durch Steuermittel für Geringverdiener bei einer Kopfpauschale werden jedoch ebenfalls kritisiert. Nicht weil dadurch Menschen mit einem niedrigeren Einkommen entlastet werden sollen, sondern weil die Finanzierung aus Steuermitteln erfolgt, so also den Bundeshaushalt belastet anstatt aus Mitteln der Krankenversicherung zu stammen (http://www.n-tv.de/politik/dossier/Finanzierung-voellig-offen-article709637.html).

 

Zukunftsmodelle
Inwieweit beide Modelle zu einer Auflösung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung führen sollen, oder ob es möglich ist, dass beide parallel weiter existieren, ist ebenfalls noch unsicher. Denkbar ist, dass die Bürgerversicherung dazu führt, dass die privaten Krankenversicherer sich aus dem Geschäft mit den Krankenvollversicherungen zurückziehen und sich stattdessen auf die Krankenzusatzversicherungen konzentrieren, die allen Versicherten Zusatzleistungen ermöglichen.
Generell gibt es bisher kein fertiges Modell für eine mögliche Reform. So wurde auf dem Bundesparteitag der SPD erst vor wenigen Tagen die genaue Gestaltung einer Bürgerversicherung diskutiert (http://www.aerztezeitung.de/news/article/682429/nach-wahlsieg-buergerversicherung.html). Neben einer höheren Beitragsbemessungsgrenze ging es dabei auch um die Frage, wie sich der Arbeitgeberanteil bei angestellten Berufstätigen gestalten soll. Dabei hat man sich auf einen gleich hohen Anteil von Arbeitnehmer und Arbeitgeber geeinigt. Zwar hat die SPD neben den Grünen und der Linken damit ein Modell zur Bürgerversicherung, die Union hält aber weiterhin an ihrem eigenen Modell der Gesundheitsprämie fest. So wird sich erst mit der Bundestagswahl 2013 zeigen, ob und wenn ja, welches System die deutsche Gesundheitsversorgung in Zukunft bestimmen wird.

Artikel mit freundlicher Unterstützung von www.krankenversicherung.net

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Kategorien: News, Wirtschaftspolitik
 
 
 

2 Kommentare zu “Krankenkassenpleiten: Wie sieht die Zukunft aus und ist die Bürgerversicherung eine Lösung?”

  1. CW
    14. Februar 2012 um 11:55

    Fakt ist, dass die Vorschläge zur Bürgerversicerung keine Zukunftsoption haben, da die Systemimanenten Schwächen erhalten bleiben. Auch die Abschaffung der sogenannten 2-Klassenmedizin ist nur ein Scheinargument, denn wer mehr möchte soll ja schliesslich Zusatzversicherungen abschliessen. Tatsächliches Ziel ist letztlich -durch die Abschaffung der PKV- an die Alterungsrückstellungen von derzeit 160mrd Euro zu kommen. Damit könnte z.b. Bequem der Bundeszuschuss für 10 Jahre gespart werden. eine Verbesserung der Struktur oder gar Konsilidierung der GKV(dann Bürgerversicherung wird nicht erreicht. Die Gesundheitsprämie dagegen könnte tatsächlich ein Zukunftsmodell sein, da nur so die nicht mehr zeitgemäße Koppelung an dass Einkommen entfällt und jeder den gleichen Beitrag zahlt (welcher ca. bei 250€ pro Person und Monat läge). Hier wäre es dann auch möglich eine Demographiereserve (Sprich Alterungsrückstellung aufzubauen) und so die gesetzliche Kasse auf zukunft zu stabilisieren

  2. Hannah
    14. März 2012 um 09:45

    Beide Systeme sind nur eine kurzfristige der Situation angepasste Ideen. Sinnvollerweise sollte die langfristige Planung beinhalten das Abwanderungen, Kassenwechsel und der gleichen niemals Einfluss auf die Versorgung der Bürger haben und zusätzlich dem Versicherten noch genügen Freiraum zu Wahl lassen. Wie man es umsetzen kann ist denke ich noch zu klären.

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