Erneute Kritik an Intransparenz der Schufa

Erneute Kritik an Intransparenz der SchufaDem NDR Info liegt ein geheimes Dokument der Schufa vor. Aus diesem geht hervor, welche Daten die Auskunftei zur Bewertung der Kreditwürdigkeit der Verbraucher heranzieht. Genaue Details fehlen jedoch weiterhin. Für Kritik an dem undurchsichtigen Bewertungssystem sorgt außerdem die Tatsache, dass die Schufa den Verbrauchern nicht alle über sie gespeicherten Daten übermittelt, wenn sie ihr Recht auf Selbstauskunft wahrnehmen.

Die Schufa ist Deutschlands größte Auskunftei. Sie speichert Daten über sämtliche Verbraucher und bewertet diese in einem, für die Verbraucher selbst, intransparenten Verfahren. Aufgrund des von der Schufa ermittelten Score entscheiden Banken, Telekommunikationsanbieter oder Autohäuser darüber, ob und zu welchen Konditionen jemand einen Kredit, einen neuen Vertrag oder einen Leasingwagen bekommt. Einblick in das Scoring-Verfahren wird den Verbrauchern nicht gewährt. Sie können lediglich Auskunft über die über sie gespeicherten Daten verlangen. Einmal im Jahr ist dies auch kostenlos. Der NDR Info hat nun festgestellt, dass die übermittelten Daten jedoch unvollständig sind.

Wie bewertet die Schufa die Kreditwürdigkeit?

Aus dem Dokument, das dem NDR Info vorliegt, geht hervor, welche Daten von der Schufa zur Erstellung des Scores herangezogen werden. Insgesamt gibt es laut der Liste etwa 140 unterschiedliche Scores. Inwieweit die einzelnen Bewertungen für welche Branche zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit einfließen und wie gewichtig diese jeweils sind, bleibt weiterhin unklar. Dem Dokument zufolge gibt es allerdings 16 Merkmale, die besonders häufig herangezogen werden. Das ergab eine Analyse von rund 42 Millionen früherer Bewertungen. Diese Kriterien sind nach der Häufigkeit der Abfrage sortiert:

  • Alter des jeweiligen Merkmals
  • Anzahl der Kreditanfragen
  • Zahl der Bankverbindungen
  • Zahl früherer Anschriften (Wohnortswechsel)
  • Anzahl negativer Zahlungserfahrungen
  • Alter des Verbrauchers
  • Zahl der gespeicherten Merkmale
  • Geburtsort bekannt?
  • Geschlecht
  • Q-Bit (Identität durch die Schufa überprüft?)
  • Zahl bisheriger Kredite
  • Kreditlaufzeit
  • Kreditvolumen
  • Zahl zurückgezahlter Kredite
  • Basisscore
  • Wohnort und –umgebung

Konkrete Details bezüglich der Merkmale sind von der Schufa nicht zu erfahren. Auffällig ist, dass das Alter der jeweiligen Merkmale die größte Rolle zu spielen scheint. Dieser Wert floß in etwa 98 Prozent aller Bewertungen ein. Aspekte wie negative Zahlungserfahrungen werden dagegen deutlich seltener berücksichtigt. Das kann durchaus dazu führen, dass jemand, der seine Rechnungen häufiger nicht bezahlt hat, dafür jedoch seit vielen Jahren an einer bestimmten Adresse wohnt, einen Kredit bekommt, wohingegen jemand, der gerade wieder einmal umgezogen ist und ein neues Konto eröffnet hat, vielleicht in die Röhre schauen muss, obwohl sein Kreditverhalten immer vorbildlich war.

Schufa verrät Verbrauchern nicht alle Daten

Dass die Schufa ihr Scoring-Verfahren geheimhalten darf, wurde vom Bundesgerichtshof im Januar 2014 bestätigt. Ein Rechtsanspruch auf eine Erklärung der Zusammensetzung des Endscores besteht nicht, obwohl Kriminalbeamte, Verbraucher- und Datenschützer mehr Transparenz von der Schufa forderten. Die Verbraucher haben nur ein Anrecht darauf zu erfahren, welche Daten von der Auskunftei gespeichert werden. Wer dieses Recht in Anspruch nimmt, erhält allerdings nicht alle Informationen. Ausgerechnet das Alter eines Merkmals wird in der Auskunft nicht genannt. Dabei ist dies genau das Merkmal, das am häufigsten zur Bewertung der Kreditwürdigkeit herangezogen wird. Laut Schufa handelt es sich dabei um ein „technisches Datum, das keinen Lebenssachverhalt über den Betroffenen“ beschreibt.

Die Behörden wüssten darüber bescheid, beschwerten sich jedoch bisher nicht. Daten- und Verbraucherschützer laufen nun dagegen Sturm. Michael Kaiser vom Amt des hessischen Datenschutzbeauftragten sagte gegenüber NDR Info: „Der Begriff ‚technisches Datum‘ trifft hier nicht zu. Wenn etwas in die Scorewerte mit einfließt, dann beschreibt es natürlich einen Lebenssachverhalt“. Dieses Merkmal kann nämlich äußerst wichtig werden, beispielsweise wenn ein Verbraucher keinen Kredit bekommt, weil die Daten der letzten Adressänderung oder Kontoeröffnung fehlerhaft gespeichert sind.