BlackBerry: Rettung durch Google oder SAP?

BlackBerry: Rettung durch Google oder SAP?Der einstige Smartphone-Pionier BlackBerry sucht weiter nach einem Käufer. Die Smartphone-Sparte gilt mittlerweile als uninteressant, im Gegensatz zum Servernetz und den gehaltenen Patenten. Interesse daran besteht seitens Google und dem Walldorfer Softwarekonzern SAP. Eine Vielzahl anderer potentieller Investoren wurden um baldige Abgabe von Angeboten gebeten, darunter Intel, LG, Samsung und Cisco.

Nachdem der frühere Smartphone-Pionier BlackBerry im Juni dieses Jahres eine Kommission zum Verkauf und dadurch zur Rettung des Unternehmens eingesetzt hat, wird händeringend ein Käufer gesucht. BlackBerry verkündete im vergangenen Monat einen Quartalverlust von etwa einer Milliarde Dollar und nur noch 2,7 Prozent Marktanteil bei Smartphones.

Die Smartphones des einstigen Branchenprimus waren besonders bei Managern beliebt, da sie bereits vor vielen Jahren über Funktionen zum mobilen E-Mail-Versand verfügten und die Kommunikation als sehr sicher galt. Spätestens mit der Verbreitung von Apples iPhones und diverser Smartphones mit Android-Betriebssystem begann der Abstieg, da die Kunden vermehrt auf diese Geräte zurückgriffen, anstatt bei BlackBerry zu kaufen.

Interesse an Servernetz und Patenten

Die Smartphone-Sparte von BlackBerry ist nicht mehr interessant, das Servernetz und die gehaltenen Patente dagegen schon eher. Interesse daran besteht seitens SAP, Google und Cisco, Intel, LG und Samsung werden ebenfalls als Interessenten genannt, gaben aber bisweilen keine Stellungnahme dazu ab. Eine sichere Bank wäre der kanadische Versicherer Fairfax, welcher BlackBerry für 4,7 Milliarden Dollar kaufen könnte.

Anschließend würde Fairfax das Unternehmen von der Börse nehmen, damit der Konzern in aller Ruhe und ohne Druck seitens anderer Investoren und Anteilseignern saniert werden kann. Derzeit läuft die Prüfung der Bücher BlackBerrys, allerdings werden vermehrt Zweifel an dem Geschäftsvorhaben laut.

Patenten droht Wertverlust

Google könnte aufgrund der Patente an BlackBerry interessiert sein, schließlich waren es vor allem die Patente, die den Suchmaschinengiganten zum Kauf von Motorola verleiteten. BlackBerry hält Patente im Wert von zwei bis drei Milliarden Dollar. Allerdings geht aus den Unternehmensunterlagen auch hervor, dass die Patente und Lizenzvereinbarungen innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre die Hälfte ihres Werts verlieren dürften.

Das Servernetz zur verschlüsselten Übertragung von Nachrichten wird derzeit von Analysten auf einen Wert zwischen drei und 4,5 Milliarden Dollar geschätzt und könnte besonders für SAP interessant sein. BlackBerry selbst verfügt zudem noch über Barreserven und Beteiligungen in Höhe von etwa 3,1 Milliarden Dollar. Allerdings geht Pierre Ferragu, Analyst bei Bernstein, davon aus, dass neben dem Wertverlust der Patente im gleichen Zeitraum etwa zwei Milliarden Dollar der Reserven aufgebraucht werden.

Und als ob das noch nicht genug wäre, steht auch noch juristischer Ärger ins Haus. Ein Aktionär hat am vergangenen Freitag Klage gegen BlackBerry eingereicht. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe die Aussichten bezüglich der Verkäufe des neuen Smartphones Z10 zu positiv dargestellt und dadurch den Aktienkurs in die Höhe getrieben. Nach Bekanntgabe der Verkaufszahlen brachen die Kurse ein und bescherten den Investoren hohe Verluste.