Gewinne der Deutschen Bahn angeblich halbiert

Gewinne der Deutschen Bahn angeblich halbiertLaut Informationen des Spiegel hat sich der Gewinn der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr halbiert und liegt nur noch bei 650 Millionen Euro, von denen wiederum 525 Millionen Euro als Dividende an den Bund ausgeschüttet werden sollen. Schuld daran sind gestiegene Personalkosten und Probleme bei der Tochterfirma Schenker. Der Wechsel des ehemaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla in den Vorstand der Bahn scheint unterdessen fragwürdiger denn je.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ will aus Aufsichtsratskreisen der Deutschen Bahn erfahren haben, dass die Bilanz des Unternehmens für das Jahr 2013 so schlecht ausfallen wird, wie schon lange nicht mehr. Der Gewinn, der im Jahr 2012 noch 1,5 Milliarden Euro betrug, soll sich im vergangenen Jahr um etwa die Hälfte auf 650 Millionen Euro verringert haben. Die Deutsche Bahn war bisweilen nicht zu einer Stellungnahme bereit und verwies lediglich auf den 27. März 2014. An diesem Datum wird die Bahn die Bilanz offiziell vorstellen.

Sinkende Gewinne trotz gleichbleibendem Umsatz

Sollten sich die Zahlen bestätigen, wäre es für Bahnchef Rüdiger Grube die schlechteste Bilanz seiner Amtszeit. Dabei blieb der Umsatz von etwa 39 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr stabil. Der Rückgang des Gewinns liegt laut der aktuellen Informationen zu einem großen Teil an den wirtschaftlichen Problemen des Logistikunternehmens Schenker, welches eine Tochterfirma der Deutschen Bahn ist. Auch die gestiegenen Personalkosten tragen ihren Teil dazu bei, ebenso die im Vergleich zum Vorjahr höheren Rückstellungen.

Von den verbliebenen 650 Millionen Euro wird die Bahn voraussichtlich 525 Millionen Euro als Dividende an den Bund ausschütten. Dieser ist Alleineigentümer der Deutschen Bahn. Diese Zahl rechtfertigte der SPD-Fraktionsvize Sören Bartol gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) so: „Wir haben uns in der Koalition verständigt, dass die Gewinne der Bahn aus dem Schienennetz wieder vollständig in die Infrastruktur zurückfließen“. Außerdem fordert er eine größere Einflussnahme des Bundes auf den Kurs der Bahn. Zwar handele diese als Aktiengesellschaft eigenständig, es „muss aber gewährleistet sein, dass sie verkehrspolitische Vorgaben umsetzt. Dazu gehört, dass der Bund als Eigentümer über den Aufsichtsrat die Bahn stärker steuert, damit klar ist, wo die Reise hingeht“.

Stärkerer Widerstand gegen Ronald Pofalla

Die schlechten Gewinnzahlen erhöhen außerdem die Kritik an dem geplanten Vorstandsposten des ehemaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla (CDU). Bereits als die Personalie ins Gespräch kam, wurde sie heftig kritisiert und löste eine bundesweite Debatte über Karenzzeiten für Politiker aus, die ihnen verbieten soll, direkt aus dem Politikbetrieb in die Wirtschaft zu wechseln. Ein weiterer Kritikpunkt bezüglich des möglichen Wechsels war es, dass Pofalla direkt in den Vorstand der Bahn integriert werden sollte, um dort den für ihn neu geschaffenen Posten als Cheflobbyist zu übernehmen.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Focus“ gibt es nun auch innerhalb der Bahn größeren Widerstand gegen Pofalla. So soll Bahn-Aufsichtsratsmitglied Heinrich Weiss an das Präsidium des Bahn-Kontrollgremiums geschrieben haben: „Insbesondere in der gegenwärtigen Diskussion um Kostensenkung und preisliche Wettbewerbsfähigkeit wäre eine weitere Vergrößerung des Vorstands nur für diese Funktion auch im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten und die Wirkung auf die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit fragwürdig“. Außerdem sprach er dafür aus, dass nur Vorstandsmitglied werden sollte, „wer in den betrieblichen Abläufen präsent und verwoben ist, und wer gewohnt ist, große und qualifizierte Mitarbeiterteams zu führen“. Trotzdem könnte Pofalla zur Bahn wechseln und seine Aufgabe als Cheflobbyist in der Position eines Generalbevollmächtigten mit direkter Anbindung an Bahnchef Grube ausüben.