Mehdorn will keinen Eröffnungstermin für den BER nennen

Zeitplan bis zur Eroeffnung des BER soll im Oktober feststehen
Quelle: Björn Roll, Flughafen Berlin Brandenburg

Hartmut Mehdorn, Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, hat in einem Interview mit der FAZ verkündet, dass es so schnell keinen neuen Termin für die Eröffnung des Berliner Großflughafens BER geben wird. Nach Analyse der Mängelliste und der Erstellung eines neuen Projektplans, sollte der neue Termin ursprünglich bei der Aufsichtsratssitzung am 25. Oktober verkündet werden. Mehdorn möchte jedoch kein Risiko eingehen und nennt auch keinen Zeitraum, spricht aber schon von Vergrößerung und einem Testbetrieb.

Das oft als Pannenflughafen verspottete Großprojekt kommt nicht zur Ruhe. Hartmut Mehdorn übernahm im März dieses Jahres die Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und sprach nun mit der FAZ über die Probleme beim Bau, wobei er sagte, dass es absolut ungewiss sei, wann der Flughafen endgültig eröffnet werden kann, weswegen er auch keine Aussage darüber machte, wann überhaupt ein neuer Termin bekannt gegeben werden wird.

Der Großflughafen sollte ursprünglich im Sommer 2012 in Betrieb genommen werden. Besonders Probleme mit der Brandschutzanlage verhinderten dies jedoch, so dass der Termin mittlerweile viermal verschoben wurde. Wirtschaftlich kommt diese Tatsache einer Katastrophe gleich, da seitdem die Kosten des Projekts regelrecht explodiert sind. Mehdorn selbst beziffert die Kosten, die ohne Betrieb jeden Monat anfallen auf etwa 30 Millionen Euro. Zu eventuellen Mehrkosten des Projekts wird er sich frühstens auf der Aufsichtsratssitzung Ende Oktober äußern.

Brandschutz und weitere Probleme

Neben Pfusch am Bau und katastrophalen Fehlern, die er auf die Hektik vor der geplanten Eröffnung 2012 schiebt, liegt das Hauptproblem immer noch beim Brandschutzsystem, insbesondere beim Rauchabzug. Mit Einführung des Beschleunigungsprogrammes „Sprint“ wurden Änderungen bezüglich der Anlage beschlossen. Diese ist hochkomplex und kaum überschaubar. Um das System beherrschbar zu machen, wird die Anlage in mehrere Einzeleinheiten zerlegt. Das bringt aber auch mit sich, dass die Verkabelung und das Steuerungssystem angepasst werden müssen. Insbesondere die Verkabelung bereitet Schwierigkeiten, da der Flughafen baulich eigentlich fertig ist. Die Verlegung einer neuen Infrastruktur gestaltet sich daher als schwierig.

Ebenfalls problematisch ist die Software zur Steuerung des Flughafens. Die IT-Anlage mit Namen BER-Net war eigentlich fertig, jedoch wurde sie seit 2008 nicht mehr weiterentwickelt und ist noch nicht an die neue Flughafenstruktur angepasst. Auch der Hauptkabelkanal, welcher unterhalb der Bodenplatte des Flughafens verläuft, ist mittlerweile zu klein geworden. Rohre und Leitungen müssen also anders verlegt werden, denn der Kanal ist zwecks Vergrößerung nicht mehr erreichbar.

Trotzdem kommt es zum Teilbetrieb

Es gibt noch keinen festen Zeitplan dafür, aber Mehdorn möchte demnächst einen Teil des Flughafens in Betrieb nehmen. Der Nord Pier, der für die Abfertigung von Billigfliegern genutzt werden soll, scheint in absehbarem Zeitraum einen betriebsfähigen Zustand zu erreichen. Die Brandschutzanlage in diesem Teil des Flughafens bereitet „keine besonderen Probleme“ mehr und auch sonst scheinen die Systeme zu funktionieren. Daher werden demnächst regelmäßig mehrere Flugzeuge täglich abgefertigt und damit der richtige Flugbetrieb simuliert, schließlich müssen die internen Vorgänge eingespielt sein.

Mehdorn stellt aber nicht in Aussicht, dass der Testbetrieb in Kürze aufgenommen wird. Wie auch für die Gesamteröffnung nennt er keinen Termin, da er Qualität vor Zeit stellt. „Es ärgert mich gewaltig, dass es nicht schneller geht. Ich bin nicht Häuptling von Geduld. Es verlängert die Zeit, in der wir hier die Dödel vom Dienst sind“ sagte er gegenüber der FAZ. Er möchte einen schönen und funktionierenden Flughafen abliefern. Angesprochen auf die Frage, ob der BER überhaupt groß genug für das erwartete Fluggastaufkommen sein wird, gibt er sich gelassen. Es gäbe bereits Pläne, die aber besonders vor der Eröffnung nicht zur Debatte stehen. Darauf vorbereitet ist er jedoch, denn es „kann sein, dass wir 2020 feststellen, dass wir erweitern müssen“.