Nach Nokia steht auch BlackBerry zum Verkauf

Nach Nokia steht auch BlackBerry zum VerkaufErst kürzlich wurde der Kauf des einstigen Smartphone-Riesen Nokia durch Microsoft bekannt. Nun steht mit BlackBerry der nächste Pionier vor dem Aus. Das Wall Street Journal berichtet, dass das Management den Verkauf des Konzerns mit Hochdruck voran treiben möchte, um das angeschlagene Unternehmen zu retten. Bis November soll der Verkauf abgeschlossen werden. Es ist bisweilen noch unklar, wer BlackBerry als Ganzes oder in Teilen übernehmen wird. Neben Investment-Firmen werden als mögliche Käufer auch Lenovo und sogar Microsoft gehandelt.

Das Management von BlackBery hat bereits im Juli eine Kommission eingesetzt, die sich um den Verkauf des kanadischen Unternehmens kümmern soll. Scheinbar mit Erfolg, denn nun berichtete das Wall Street Journal, dass das Geschäft bereits im November abgeschlossen sein könnte und nennt „mit den Vorgängen vertraute Personen“ als Quelle. Wer konkret als Käufer in Frage kommt ist allerdings noch nicht offiziell bekannt.

Heißester Kandidat ist derzeit der chinesische Konzern Lenovo. Yang Yuanqing, Chef des Unternehmens, äußerte sich bisher noch nicht offiziell dazu, bekundete aber neulich, dass die Konsolidierung der PC- und Handy-Branche voran schreite und dass das Unternehmen zuschlagen werde, sollte sich die Gelegenheit zu einem solchen Deal ergeben. Insider berichten, dass das chinesische Unternehmen allerdings wenig Interesse an einer kompletten Übernahme, sondern nur an bestimmten Teilen von BlackBerry habe.

Verkauf als letzte Rettung

BlackBerry steckt wirtschaftlich schon seit langer Zeit in der Krise. Besonders das Geschäft mit mobilen Internetgeräten war einst für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich. Seit dem Aufstieg internetfähiger Smartphones für den Massenmarkt, besonders dank der Verbreitung des iPhone und Android-Geräten von Samsung, verlor BlackBerry allerdings mehr und mehr an Bedeutung. Allein in den vergangenen fünf Jahren sank der Börsenwert dramatisch. Heute ist BlackBerry an der Börse etwa fünf Milliarden Dollar wert, vor fünf Jahren waren es noch 84 Milliarden.

Analysten sind skeptisch, dass es berechtigte Hoffnung gibt, BlackBerry könne mit neuen Eigentümern wieder zum alten Glanz aufsteigen. So sagte der Analyst bei BMO Capital Markets, Tim Long: „Wir können uns nicht vorstellen, dass es irgendwelche Änderungen gibt, die BlackBerry helfen könnten, den drastischen Verlust an Marktanteilen oder den Umsatzverfall bei Dienstleistungen rückgängig zu machen“. Mit der Einführung eines neuen Betriebssystems und neuer Smartphones zu Jahresbeginn konnte BlackBerry im ersten Quartal immerhin wieder schwarze Zahlen vorweisen, ein Aufwärtstrend leitete sich daraus aber nicht ab.

Druck durch Microsofts Nokia-Deal

Ein wichtiger Grund für den schnell angestrebten Verkauf ist auch die Übernahme von Nokia durch Microsoft. Der ehemalige Marktführer aus Finnland hat genau wie BlackBerry den Sprung in das Zeitalter moderner Smartphones verpasst. Nach der Übernahme kann man davon ausgehen, dass Microsoft mit Windows Phone verstärkt mit Smartphones und Dienstleistungen in den Business-Markt eindringen wird, dem eigentlichen Hauptgeschäftsfeld von BlackBerry. Marktforscher gehen nach der Übernahme auch davon aus, dass Windows Phone nach Android und iOS die feste dritte Kraft auf dem Markt sein wird, wohingegen BlackBerrys Marktanteile weiter schwinden.

BlackBerry wäre dann lediglich ein Nischenanbieter und hätte es schwer, sich auf dem Markt zu behaupten. Experten sehen die Integration von Teilen des Unternehmens in größere IT-Firmen als die einzige Überlebensmöglichkeit der Produkte und Service-Angebote der Kanadier. Aus diesem Grund steht auch nicht nur der Verkauf des gesamten Unternehmens zur Debatte, sondern auch der getrennte Verkauf der verschiedenen Teile wie die Messenger-Sparte, das Hardware-Geschäft und die IT-Dienstleistungen.