Telekom benennt Flatrates um und streicht 8000 Arbeitsplätze

Die Deutsche Telekom fügt sich dem Urteil des Kölner Landgerichts, welches vor zwei Monaten entschied, dass die Tarife „Entertain“ und „Call & Surf“ nicht mehr als Flatrate bezeichnet werden dürfen, wenn die Geschwindigkeit, nach Verbrauch eines bestimmten Datenvolumens, gedrosselt wird. Unabhängig davon müssen bis zu 8.000 Mitarbeiter der Telekom-Tochter T-Systems um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Dass die Deutsche Telekom eine Volumenbegrenzung für Hochgeschwindigkeits-Internet einführen wird, ist hinlänglich bekannt. Kunden, die derzeit die Tarife „Call & Surf“ oder „Entertain“ gebucht haben, werden in Zukunft damit leben müssen, dass ihre DSL-Geschwindigkeit auf 2 Mbit pro Sekunde beschränkt wird, sobald sie ein bestimmtes Datenvolumen verbraucht haben. Diese Einschränkung hält das Gericht für unzulässig, wenn es mit dem Begriff Flatrate bezeichnet wird.

Umbenennung allein könnte nicht reichen

Nun hat die Telekom das Urteil akzeptiert und wird, wie das Magazin Focus erfahren haben soll, die betroffenen Tarife umbenennen. Eine echte Flatrate, bei der die gebuchte Geschwindigkeit unabhängig vom verbrauchten Datenvolumen zu jeder Zeit zur Verfügung steht, soll es weiterhin geben, allerdings zu einem höheren, noch nicht bekannten Preis.

Der Verbraucherschützer und Rechtsanwalt Thomas Bradler hält diese Maßnahme für „juristisch bedenklich und keinesfalls ausreichend“. Kunden des Unternehmens, deren Tarife einfach umbenannt und mit einer Drosselung versehen werden, sollten sich juristisch dagegen wehren, denn schließlich haben sie ursprünglich eine richtige Flatrate gebucht. Weiterhin sagte Bradler, dass eine monatliche Volumenbegrenzung in einem solchen Falle unwirksam sei.

Bis zu 8.000 Stellen sollen gestrichen werden

Hinsichtlich der zukünftigen Tarifstruktur sind die Kunden des Unternehmens verunsichert. Größere Verunsicherung herrscht dagegen unter den Angestellten der Telekom-Tochter T-Systems. Medienberichten zufolge plant der Konzern den Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen, Gewerkschaften sprechen sogar von 8.000. Zum ersten Mal in der Geschichte der Telekom könnte es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Aufsichtsrat-Vize, kündigte für diesen Fall bereits Widerstand an: „Wenn das so ist, machen wir das nicht mit“, sagte er dem Handelsblatt.

T-Systems managt die IT-Sparte unterschiedlicher Großkonzerne wie zum Beispiel Shell. Das Geschäft ist jedoch seit Jahren hart umkämpft und nicht besonders gewinnträchtig. Die Telekom will das Geschäftsfeld nicht komplett aufgeben. Der Fokus soll in Zukunft auf digitale Geschäftsfelder wie Cloud-Services gelegt werden. T-Systems-Chef Reinhard Clemens verspricht sich hier gleich zweistellige Gewinnmargen. Auch mehrere Auslandstöchter des Unternehmens stehen auf dem Prüfstand. So soll voraussichtlich die Tochter in Frankreich geschrumpft werden. Härter könnte es die Tochter in Spanien treffen, denn laut aktueller Überlegungen ist es gut möglich, dass die Telekom sich von ihr komplett trennen wird.