Es war einer der gewagtesten Übernahmepläne der deutschen Wirtschaftsgeschichte:
Es war einmal einer kleiner Sportwagenhersteller, den alle Porsche nannten. Porsche ist ein gut aufgestellter Herrsteller von sportlichen Flitzern und eleganten Geländewagen. Irgendwann wollte Porsche raus aus der Nische Sportwagenbauer und strebte danach, die Nummer 1 unter den Autobauern weltweit zu werden. Allein mit Sportwagen war dies nicht zu bewerkstelligen und so ersann man den Plan, den etwa 15-mal größeren Volkswagen- Konzern zu übernehmen, um damit einen neuen Weltkonzern zu schmieden. Vier Jahre lang arbeitete Porsche auf dieses Ziel hin, übersprang so manche Hürde, umschiffte so manche Klippe, stand kurz vor dem Ziel und steuerte im Jahr 2009 doch auf einen Wendepunkt hin. Jetzt wird man seine Eigenständigkeit verlieren, denn der “Goliath” schlug zurück.
Teil 2
Frei von Spannung war die Beziehung zwischen Porsche und VW nie. Immer wieder kommt es zu Scharmützeln. “Ich glaube, jeder Beteiligte würde im Rückblick sagen, hier und da und dort hat er ein Holzstück ins Feuer gelegt, das er im Nachhinein nicht mehr hineinlegen würde”, glaubt Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger. Mal stänkert Porsche gegen das VW-Management, dann legt sich Wiedeking mit den VW-Betriebsräten an und verkündet, dass es keine “heiligen Kühe” mehr in Wolfsburg geben dürfe. Die Arbeitnehmer schießen Giftpfeile zurück. Etwa als VW-Betriebsratschef Osterloh die Porsche-Spitze als “Dilettanten” beschimpft. Auch die Familien, insbesondere Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche, beharken sich zunehmend. In Wolfsburg ist der Sportwagenbauer längst nicht mehr wohlgelitten. “Herrenreiter- Allüren” macht man im Rathaus aus. “So wie Porsche vorprescht, kann es nicht weitergehen”, sagt Oberbürgermeister Schnellecke.
Lager bilden sich. Auf der einen Seite Wendelin Wiedeking, der sich der Unterstützung des Porsche- Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche sicher sein kann. Auf der anderen Seite der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Piëch und dessen Vertrauter, der VW-Chef Martin Winterkorn. Während die Porsche-Seite stärker auf eine Übernahme durch den Sportwagenhersteller drängte, steht Piëch der Sinn nach einem neuen globalen Autokonzern unter dem Dach von VW und mit ihm als Chef des Kontrollgremiums. “Er hat immer gesagt, dass Volkswagen die zentrale Rolle in diesem Autokonzern spielen muss und nicht Porsche”, sagt ein Weggefährte Piëchs.
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