Aufstieg in eine höhere Einkommensschicht – Mission Impossible?

Alle vier Jahre kommt eine neue Studie zum Thema Arm und Reich in Deutschland heraus. Vor kurzem war es wieder so weit. Das deutsche Bundesministerium veröffentlichte den fast 500 Seiten umfassenden Bericht „Lebenslagen in Deutschland“ – und bestätigte mit den darin beschriebenen Erkenntnissen einen Trend, der sich schon seit Jahren bei der Vermögensverteilung abzeichnet.

Wie in dem Bericht beschrieben wird, klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf, anstatt sich zu schließen. Auch wenn das Gesamtvermögen der deutschen Haushalte um 1,4 Billionen gestiegen ist: der Großteil der Bevölkerung hat davon nichts zu mitbekommen. Denn die einkommensstärksten 10 % in Deutschland besitzen über sage und schreibe 53 % des Nettovermögens (Stand 2008). Indessen verfügt die untere Hälfte, also von der Anzahl der Haushalte her die fünffache Menge, über gerade mal ein Prozent (Stand 2008)… an sich ist das schon ein Armutszeugnis für Deutschland.

Was beinahe noch alarmierender ist, ist die Tatsache, dass sich der Unterschied immer weiter verstärkt hat in den letzten Jahren. Noch 1998 besaßen die reichsten zehn Prozent „nur“  45 % des Nettovermögens, während die untere Hälfte der Bevölkerung noch über vier Prozent gebot. Diese Entwicklung zeigt an, was die Regierung schon seit Jahren verhindern wollte: eine sich öffnende Schere, die die Ärmsten immer weiter nach unten schiebt.

„Arm“ wird in diesem Land bezeichnet, wer monatlich weniger als 940 € zur Verfügung hat. Das sind zurzeit etwa 14 bis 16 %. Der Grund liegt vor allem in der Arbeitslosigkeit, wobei man nicht vergessen darf, dass gerade hier in den letzten Jahren eine positive Entwicklung stattgefunden hat. Wir haben momentan die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung, der Anteil arbeitsloser Jugendlicher hat sich halbiert. Und das alles vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Dennoch wird die Armut nie verschwinden. Das soll keine pessimistische Zukunftsvorhersage sein, sondern das ist eine vollkommen sachliche und nachvollziehbare Aussage. Da als einkommensarm all diejenigen zählen, die weniger als 60 % des mittleren Einkommens verdienen, wird es immer Menschen geben, die wir als „arm“ bezeichnen. Das lässt sich gut an einem Beispiel verdeutlichen. Würden alle Menschen innerhalb Deutschlands plötzlich das Doppelte verdienen, würde das mittlere Einkommen schlagartig mit nach oben gehen. Damit gäbe es wieder Menschen, die unter der 60-%-Grenze lägen und einkommensarm wären. Auch wenn diese nun sehr viel mehr Geld zur Verfügung hätten. (Allerdings ist dies natürlich nur ein Modell. Schließlich würden auch sämtliche Preise für Dienstleistungen, Lebensmittel etc. nach oben schnellen.)

Was jedoch zu denken gibt, sind einige weitere Zahlen, die in dem Bericht veröffentlicht wurden. So ist das Gesamtnettovermögen des Staates von 1992 bis 2012 um 800 Milliarden gesunken, während sich das Nettovermögen der privaten Haushalte in den letzten Jahren von 4,6 auf gut 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt hat. Das hängt vor allem mit der Privatisierungspolitik der deutschen Regierung zusammen, verdeutlicht jedoch besonders im Zusammenhang mit der Verteilung auf Arm und Reich die Entwicklung der Einkommensverteilung.

Ein wichtiger Streitpunkt mit Hinblick auf diese Verteilung ist die Höhe der Steuern, die den Einkommensstärksten auferlegt werden soll. Schließlich möchte man diese ja auch nicht vergraulen. Wie Michael Fuchs, Vizechef der Unionspartei, bestätigte, tragen die obersten zehn Prozent bereits über die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Nebenbei seien viele von ihnen an zahlreichen Spendenaktionen beteiligt und würden sich häufig in entsprechenden Stiftungen engagieren. 2009 beispielsweise hätten 60 % der reichsten Haushalte gespendet, durchschnittlich 0,57 % des monatlichen Nettoeinkommens (zum Vergleich: die restlichen Haushalte spendeten durchschnittlich 0,36 % ihres monatlichen Einkommens.)

Wer von den ganz reichen etwas Besonderes tun möchte, könnte sich freilich auch bei der „The Giving Pledge“-Aktion von Microsoft-Gründer Bill Gates und Investor Warren Buffett einklinken. Dies ist eine Organisation, die die beiden Milliardäre im Jahr 2010 gegründet hatten und die inzwischen über knapp 100 Mitglieder verfügt (Stand September 2012: 92 Mitglieder). Hintergrund: Die Milliardäre haben sich dazu bereit erklärt, jeweils mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Beigetreten sind mittlerweile Personen wie Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg, der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, Hollywoodregisseur George Lucas (Star Wars) und seit neuestem auch der Mitbegründer der Firma „Intel“ Gordon Moore. Bill Gates (hat im Jahr 2011 alleine 30 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet) und Warren Buffett würden wohl noch immer die Liste der reichsten Menschen der Welt anführen, wenn sie sich nicht auf die Unterstützung der anderen Gesellschaftsschichten konzentrieren würden.

Ob die Deutschen demnächst dabei allerdings groß mitmischen werden, bleibt fraglich. Der einzige Deutsche, der es unter die Top Ten geschafft hat, ist Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht mit 25,4 Milliarden Dollar. Danach finden sich nicht mehr viele Deutsche in der Weltrangliste. Der Mann, der in Deutschland auf Platz 9 der reichsten Menschen steht, ist weltweit beispielsweise nur auf Platz 127 –  es handelt sich hier um SAP-Gründer Hasso Plattner mit 7,2 Milliarden Dollar.

Gibt es denn dann überhaupt etwas Positives zu berichten was die Spanne zwischen Arm und Reich betrifft? Ja, das gibt es tatsächlich. So nähern sich Ost- und Westdeutschland im Bezug auf das Einkommen wieder einander an – auch wenn das Geld- und Immobilienvermögen in Ostdeutschland noch bei 55.000 liegt während das im Westen mit 132.000 Euro angesetzt wird. Ein bedeutender Unterschied – doch die Entwicklung ist vielversprechend.

Was man letztendlich aus seiner Situation macht, ist wohl jedem selbst überlassen. Nur ein kleiner Tipp: man sollte nicht darauf setzen, später mal in die oberen Einkommensschichten einheiraten zu können. Einer Studie zu Folge ist es höchst unwahrscheinlich, einen Partner aus einer komplett anderen Einkommensklasse zu finden. In der Studie hatten 61 % der Paare den gleichen Schulabschluss, bei 9 % war die Frau höher gebildet, bei 30 % der Mann. Also bleibt einem wohl doch nur übrig, sich so gut wie möglich ausbilden zu lassen und sein Einkommen dann mühselig zu erarbeiten – denn die Prinzen, die ihr Aschenputtel mit auf ihr Pferd nehmen und sie in ihr Schloss holen, gibt es wohl leider nur im Märchen.