Facebook und die Börse?

Wohl viele Nutzer von Seiten, die einen Zugang zu sozialen Netzwerken versprechen, stellen sich vermehrt die Frage, ob sich damit nicht auch Geld verdienen lasse. Sind Aktien von Facebook, Twitter, Linded-In etc. gute Geldanlagen?

Dass Firmen wie Facebook und Twitter in absehbarer Zeit den Weg an die Börse und damit in den öffentlichen Handel gehen müssen, scheint unumgänglich. Zu hoch sind die Aktivitäten auf dem sogenannten „Second Market“ und zu hoch das Interesse potentieller Aktionäre. Auch wenn man sich gern als „unabhängig“ und mit Blick auf die Börse eher als „underdog“ darzustellen versucht, kommen auch Facebook und Co. nicht umhin, sich den finanzmarkttechnischen Gesetzmäßigkeiten zu stellen. Ebenso ist man bereits jetzt ins Visier der US-Amerikanischen Börsenaufsicht, SEC; geraten, die gern mehr Transparenz in den Handel von Firmenanteilen in Milliardenhöhe bringen möchte. Darüber hinaus gab es in der Vergangenheit u.a. mit Google zahlreiche Beispiele, wie eine „zu groß“ oder aus Anlegersicht „zu interessant“ gewordene Unternehmung zum Börsengang „gezwungen“ wurde. Nach US-Amerikanischem Börsenrecht ist eine Firma verpflichtet, sich den strengen Börsenaufsichtsregeln zu unterwerfen und bspw. regelmäßig Firmenveröffentlichungen vorzunehmen, wenn sie mehr als 500 Anteilseigner hat. Lange werden sich daher Facebook und Co nicht mehr dem öffentlichen Börsenhandel entziehen können.

Doch nicht nur die regen Aktivitäten auf dem second market sind ein Anzeichen für einen bevorstehenden Börsengang Facebooks. Ebenso die Kapitalspritzen der Investmentbank GoldmanSachs sind ein sicherer Indikator für einen Börsengang.

Die Geschäfte von Goldman mit Facebook halten die Wall Street seit Tagen in Atem. Goldman Sachs hatte zusammen mit der russischen Internetholding Mail.ru etwa 500 Millionen Dollar in Facebook investiert – was das Unternehmen zwischenzeitlich mit rund 65 Milliarden Dollar bewertet. Dazu will Goldman Sachs weitere 1,5 Milliarden Dollar von solventen Privatkunden aber auch von Hedge-Fonds oder anderen institutionellen Investoren für Facebook „einsammeln“. Die Bank kann sich aufgrund der hohen Nachfrage sogar erlauben, besondere Spielregeln aufzustellen: Die Investoren müssen mindestens 2 Millionen Dollar investieren und dürfen ihre Aktien nicht vor 2013 verkaufen.

Dass sowohl die Investoren als auch die Bank selbst irgendwann das angelegte Geld „arbeiten“ und dies an einem Chart für einen realen (und nicht virtuell errechneten) Aktienkurs sehen wollen, dürfte allen Beteiligten klar sein. Das Börsendebüt von Facebook ist somit nur eine Frage der Zeit und der richtigen Rahmenbedingungen.

Auch die bereits jetzt vorhandenen Rahmenbedingungen stellen die Ampeln für einen Börsengang auf Grün. Fast 700 Millionen Menschen sind aktive Anwender des Social Networks. Betrachtet man die rapiden Wachstumsraten der letzten Jahre scheint auch das Erreichen der magischen Grenze von einer Milliarde Usern nicht unrealistisch. Was gibt es zudem schöneres für ein Unternehmen wie Facebook als das Fehlen eines wirklich ernsthaften Konkurrenten?

Facebook gehört damit bereits jetzt – vor einem Börsengang – zu dem erlauchten Kreis von global bekannten Marken. Die Marke erfreut sich weltweiter Bekanntschaft und darf zurecht in einem Atemzug mit Marken wie CocaCola, Apple, Microsoft oder McDonalds genannt werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass Facebook keine Produkte in teuren Werkhallen produzieren oder eine große Logistiksparte unterhalten muss, um die Produkte in die ganze Welt zu verschiffen. Facebook stellt „nur“ eine für jeden Nutzer über das Internet zu erreichende und zudem kostenfreie Plattform zur Verfügung. Der Rest obliegt den Nutzern selbst. Erst durch das freiwillige Bereitstellen bzw. Hochladen von Informationen und Daten durch die Nutzer über die Nutzer gewinnt die Plattform an Wert. Und das in doppelter Hinsicht:

Je mehr virtuelle Freunde über das soziale Netzwerk verbunden sind, desto höher der Nutzwert für die User aber auch für Facebook selbst, das durch die Präsenz und die Aktivität seiner Mitglieder die Werbevermarktung vorantreiben kann. Zudem versteht es Facebook wie eigentlich nur noch Apple durch das Anbieten von kleinen Spielen und anderen Goodies sowie durch den Verkauf von Facebook-Credits Geld zu generieren.

Die Treue der Nutzer und potentiellen Anleger scheint angesichts einer fehlenden ernsthaften Konkurrenz ungebrochen. Betrachtet man zudem die Einträge und Kommentare der Nutzer wird schnell klar, dass Facebook bereits jetzt für Millionen von Nutzer ein kaum mehr wegzudenkender fester Bestandteil des Lebens geworden ist. Den Usern von morgen wird durch die Elterngeneration teilweise schon mitgegeben, dass die Anzahl virtueller Freunde und die Anzahl Klicks und Kommentare entscheidend sind. Tendenz eher steigend.

Ein Facebook-Aktien besitzender Nutzer hätte zudem das Gefühl (und wohl auch die moralische Verpflichtung), durch seine Aktivitäten im Netzwerk und das Bereitstellen seiner Daten und Informationen einen Teil zum Erfolg des Netzwerks und damit seiner Anteile beizutragen. Ein spannendes Umfeld also in dem sich Facebook bewegen würde.

Doch eine Aktie für jedermann werden die Facebook-Anteile wohl ebensowenig werden, wie es die von Google geworden sind. Vermutlich wird schon ein vergleichsweise hoher Einstiegspreis eine monetäre Auslese der Aktionäre vornehmen. Betrachtet man einmal, wer derzeit die Geldgeber für Facebook sind und zählt dann eins und eins zusammen, wird schnell klar, dass sowohl GoldmanSachs als auch die über Goldman vermittelten Investoren, mit Mindestanlagesummen von 2 Millionen EUR, nicht erfreut über eine „Volksaktie“ sein würden.

Eine derart monetäre Auslese hätte wohl auch ihr Gutes. Viel zu viele Kleinanleger haben die teilweise abenteuerlichen Jahre der „New Economy“ schon verdrängt. Zeiten in denen Klein- und Kleinstanleger (geblendet von den Geschichten einiger weniger, die es tatsächlich zu Millionengewinnen gebracht haben) ihr sauer verdientes Geld vergolden lassen wollten, und sich am Ende in ihrer Existenz bedroht sahen.

Nichts desto trotz wird der unausweichlich kommende Börsengang von Facebook für die Anleger ein Erfolg werden.

Auch andere junge Internetunternehmen wie der Kurznachrichtendienst Twitter oder das auf geschäftliche Verbindungen spezialisierte soziale Netzwerk Linked-In haben sich bislang mit Börsenplänen zurückgehalten – im Gegensatz zur ersten Generation von Internetfirmen in den neunziger Jahren. Ein Grund dafür sind die in den vergangenen Jahren schärfer gewordenen Auflagen und höheren Kosten für eine Börsennotierung.

Zumindest LinkedIn scheint seine Zurückhaltung nun aber aufzugeben. Nach Medienberichten plant das Karriere-Netzwerk, das 85 Millionen Mitglieder hat, noch vor Ablauf des zweiten Quartals den Antrag auf einen Börsengang zu stellen. Konsortionalbanken sind die Bank of America, J.P. Morgan Chase und Morgan Stanley.

Es gibt Spekulationen, dass LinkedIn damit einem nicht vor 2012 geplanten Börsengang von Facebook zuvorkommen will, um sich das Interesse der Investoren an sozialen Netzwerken zu sichern. „Wenn Facebook vor LinkedIn an Börse gehen würde, glauben Sie, dass sich dann noch irgendwer groß für LinkedIn interessieren würde?“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine mit den Börsenplänen vertraute Person.